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165 Jahre Wund(er)pflaster - ein Streifen erobert die Welt

Mit, 21.06.2017

 

Wie so oft war es die Not, die hier erfinderisch machte. Beiersdorfs neue Apotheke in Wandsbek lief nicht besonders rosig. Da kam es ihm gelegen, dass der Dermatologe Dr. Paul Gerson Unna auf der Suche nach neuen Therapiemöglichkeiten vor allem für Hautausschläge war. Dafür brauchte er etwas, womit er Arzneimittel dauerhauft auf die betroffenen Stellen auftragen konnte. Die klebenden Verbände, die es zu dieser Zeit gab, enthielten Harze, die die Haut reizten und mit den Wirkstoffen reagierten. Paul Carl Beiersdorf nahm sich der Sache an und begann zu experimentieren.

Auf eine zarte Guttaperchaschicht, welche auf Mull … verteilt ist, streicht man gleichmäßig die aus Vaselin, Schmalz, Talg … und Arzneistoff bestehende Pflastermasse.

Kaiserliches Patentamt Patent zur Herstellung von gestrichenen Pflastern 
Paul Carl Beiersdorf
Paul Carl Beiersdorf, Erfinder des PflastersBildrechte: Beiersdorf AG

So wird Beiersdorf am 28. März 1882 sein Patent zur "Herstellung von gestrichenen Pflastern" in der Urkunde Nummer 20057 vom Kaiserlichen Patentamt bestätigt. Neu ist unter anderem, dass er Guttaperchasaft zum Abdichten verwendet. Der Wirkstoff sickert nicht nach außen, lässt sich gezielt dort einsetzen, wo er gebraucht wird. Er gibt dem Spezialverband auch seinen Namen: Guttaplaste. Als Klebematerial dient Kautschuk, was die aggressiven Harze ersetzt.

Das Wund(er)pflaster - alle wollten es haben

Das neue Medizinprodukt eroberte den Markt quasi über Nacht. Es passte sich bei Körpertemperatur der Haut perfekt an und war zudem gut verträglich. Die neun Werksarbeiter, die Beiersdorf eingestellt hatte, arbeiteten im Akkord. Mehrere hundert Meter Mull mussten sie täglich mit der medizinischen Pflastermasse bestreichen, um der starken Nachfrage Herr zu werden. Zu den damals verwendeten Arzneistoffen gehörten übrigens auch Blei, Borsäure und Quecksilber - Substanzen, die wir unserem Körper heute nicht mehr zumuten würden. Aber über deren Nebenwirkungen war damals noch nichts bekannt.

Forschungslabor Beiersdorf
Die Firma Beiersdorf. Mit Pflaster fing es an. Heute steht der Name für einen WeltkonzernBildrechte: Beiersdorf Archiv / MDR

Ein Mullstreifen geht in Serie

Mit der Patenterteilung gründete der Apotheker Beiersdorf sein gleichnamiges Unternehmen, um die Guttaplaste, wie sie zunächst hießen, auch selbst herstellen zu können und weiterzuentwickeln. Bis 1992 hatte er Pflaster für mehr als hundert verschiedene medikamentöse Anwendungen anzubieten. Damals ahnte er wohl nicht, dass er damit den Grundstein für einen ganzen Industriezweig gelegt hatte.

Mit Zink erobert das Pflaster die Welt

Dr. Oscar Troplowitz
Dr. Oscar TroplowitzBildrechte: Beiersdorf AG

Beiersdorfs Nachfolger, der Pharmazeut Oscar Troplowitz, erkannte, dass in dem Medizinprodukt noch großes Potential steckt. Die Ärzte suchten damals schon lange nach einer Möglichkeit, nicht nur Hautausschläge, sondern auch Wunden rasch behandeln zu können. Troplowitz mischte also dem Kautschuk Zinkoxid bei, das antiseptisch wirkt und die Wundheilung unterstützt. Er gab dem neuen Verbandsstoff den Namen "Leukoplast". Leukos ist das griechische Wort für weiß. Und weiß war das Pflaster nun durch den Wirkstoff Zinkoxid. 1901 kam Leukoplast auf den Markt und erobert in wenigen Jahren den Globus. Übrigens legte Troplowitz mit der Entwicklung seines Klebeverbands auch den Grundstein für das durchsichtige Klebeband, das heute in jedem Büro zu finden ist.

Eine Idee, 16 Milliarden Meter Pflaster und unendliche Möglichkeiten

Das Pflaster, wie wir es heute kennen, gibt es allerdings erst seit 1922. Dem Leukoplast wurde dafür eine Mullauflage hinzugefügt, fertig war das Hansaplast. Seitdem gingen 16 Milliarden Meter über den Ladentisch. Damit könnte man 400 mal die Erde umspannen – ein gutes Stück Pflaster für einen verwundeten Planeten! Inzwischen gibt es rund 450 Pflasterarten, und ständig kommen neue hinzu: Blasenpflaster für geschundene Füße, Nasenpflaster zur Linderung von Heuschnupfen oder Wärmepflaster bei Rückenschmerzen, einer deutschen Volkskrankheit. Auch von der Eitelkeit profitiert der Handel, beispielsweise mit unsichtbaren Pflastern zum Aufsprühen oder solchen gegen Lippenherpes.

Eine junge Frau trägt ein Wärmepflaster im oberen Wirbelsäulenbereich.
Bildrechte: IMAGO

Seit etwa 20 Jahren gibt es sogar Pflaster, die unserem Körper Medikamente zuführen, Nikotinpflaster zum Beispiel. Das sind sogenannte transdermale Pflaster, die ihren Wirkstoff über einen längeren Zeitraum konstant über die Haut freisetzen. Der große Vorteil gegenüber Tabletten und Co.: Magen- und Darmtrakt bleiben verschont, von den Wirkstoffen geht nichts durch die Verdauung verloren. Doch nicht alle Substanzen sind für Pflaster geeignet. Um beispielsweise die Wirkung einer Aspirin-Tablette zu erreichen, müsste das Pflaster den halben Körper bedecken.

Transdermale Pflaster: von klassisch bis HightechSie können zum Beispiel Herzinfarkten vorbeugen, Schübe der Parkinson-Krankheit aufhalten, Reiseübelkeit oder Bluthochdruck lindern. Entweder sickert der Wirkstoff durch eine Membran und gelangt so durch die Poren in hautnahe Blutgefäße. Neueste Produkte setzen die Substanzen durch ein elektrisches Feld aktiv frei, zum Beispiel in der Schmerztherapie. Der Patient kann die Gabe so per Knopfdruck dosieren. Forscher arbeiten derzeit sogar an der Impfung mittels transdermalen Pflastern. Ihr Erfolg wäre ein großer Schritt hin zur Verdrängung von Spritzen – sehr zur Freude vieler Menschen mit Nadelphobie.

Von wegen "An der Luft heilt es besser"

Dieser wohlgemeinte Ratschlag ist inzwischen widerlegt. Wunden, die von einem Pflaster geschützt werden, bleiben einerseits sauber und sind vor neuen Verletzungen geschützt. Zum anderen heilt das Gewebe im feuchten Millieu deutlich besser, weil so die Zellbildung angeregt wird. Und es tut auch weniger weh. Die Nervenenden, die sich in jeder Wunde finden, sind weniger empfindlich, wenn sie befeuchtet sind. Bei einer einfachen Schürf- oder Schnittwunde ist das vielleicht nicht entscheidend, aber bei sogenannten Problemwunden wie offenen Beinen, diabetischem Fuß oder Heilungsstörungen nach Operationen ist die feuchte Wundversorgung deutlich effektiver.

 

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